Das ist neu bei Elektro Schäfer.

Wärme, die aus der Tiefe kommt - Umweltschonend Heizen mit Erdwärme

Erdwärme fürs Beheizen von Wohnhäusern zu nutzen, ist keine neue Erfindung. Doch angesichts der Endlichkeit der fossilen Energiequelle Öl und der stetig steigenden Preise für das »schwarze Gold« sind sie durchaus eine Alternative. Den im Vergleich zu herkömmlichen Heizsystemen relativ hohen Anschaffungskosten zum Trotz. Denn die Langlebigkeit der Erdwärmesysteme, ihre niedrigen Betriebskosten und die Unabhängigkeit von Öl und das wiegen diese Investitionen wieder auf.

Bild: Ulmer

Vor der Halle mit der blauen Metallverkleidung wummert es ohrenbetäubend, während das Bohrgestänge seinen Weg ins Erdreich bahnt. Hin und wieder zischt es etwas abseits des Bohrgeräts, wenn mit dem Kühlwasser der Abraum aus der Tiefe in einen Container hoch gepumpt wird. Die Baustelle auf dem Gelände der Firma Elektro Schäfer in Rottenburg-Wendelsheim ist eine der etwas anderen Art: Hier werden im Abstand von zirka acht Metern drei 150 Meter tiefe Löcher gebohrt, um dort später ebenso viele mit Wasser gefüllte Erdwärmesonden zu versenken. Mit Wasser befüllt deshalb, da das Firmenareal im Wasserschutzgebiet der Kategorie 3b liegt. Normalerweise werden die Sonden mit Sole, einem Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel, befüllt. Die Sonden sind an eine Wärmepumpe angeschlossen, an der wiederum eine Niedertemperaturheizung hängt.

 

Eine Wärmepumpe funktioniert grob gesagt ähnlich wie ein Kühlschrank – aber in umgekehrter Reihenfolge. Ein Kühlschrank entzieht Lebensmitteln Wärme und gibt diese über seine rückseitigen Lamellen an die Umgebung ab. Diese Funktion nutzt auch eine Wärmepumpe: Wasser, Erde und Luft speichern Sonnenwärme. Der »kalten Umgebung« entzieht die Wärmepumpe Wärme. Anschließend »pumpt« sie diese mithilfe des sogenannten Verdichters über Druckerhöhung auf eine Temperatur, die ausreicht, um zu heizen. Sogar bei großer Kälte bis zu minus 20 Grad Celsius kann Erde, Luft und Wasser noch Wärme entzogen werden. Mit der so gewonnenen Wärme heizt Firmenchef Josef Schäfer künftig seine Gewerbehalle mit den Büro- und Werkstatträumen.

 

Elektromeister Schäfer ist ein überzeugter Nutzer von Erdwärme: Bereits vor 24 Jahren hat er bei einem Kunden die erste Luft-Wasser-Wärmepumpe installiert. Sein eigenes Haus – ein 200 Jahre altes  Fachwerkhaus in Wendelsheim – hat er vor neun Jahren auf Erdwärme umgestellt. Dort heizt er per Fußbodenheizung 350 Quadratmeter Wohnfläche mithilfe zweier Erdwärmesonden von jeweils 99 Metern Tiefe und einer Heizanlage, die lediglich zwei Quadratmeter Platz beansprucht. 12000 Euro hat Schäfer laut eigener Aussage seit Inbetriebnahme gespart – hat allerdings zuvor auch erst einmal viel Geld in die Hand nehmen müssen: 11 000 Euro für die Bohrung und 9000 Euro für die Wärmepumpe. Eine Investition, die sich erfahrungsgemäß innerhalb von 12 bis 15 Jahren amortisiert. Wobei jedoch auch gesehen werden muss, dass die Sonden eine Lebensdauer von zirka 80 Jahren haben.

 

Über Wärmepumpen mit Erdwärmesonden können rund 75 Prozent des Energiebedarfs eines Gebäudes für Wärme und Warmwasser gewonnen werden. Die Wärmepumpen selbst verbrauchen lediglich 25 Prozent elektrische Energie; sie produzieren daher 55 Prozent weniger CO2-Emissionen als konventionelle Ölheizungen. Damit erfüllen sie auch die Vorgaben der neuen Energiesparverordnung (EnEV).

 

Quelle: Schwäbisches Tagblatt, 21.11.2007

Überzeugter Erdwärmenutzer: Josef Schäfer Bild: PR-Service

Erdwärme im Land

Erdwärme oder Geothermie ist im eigentlichen Sinne die in der Erdkruste gespeicherte Wärme. Im inneren Erdkern herrschen Temperaturen von geschätzten 4500 bis 6500 Grad Celsius vor. In ein Kilometer Tiefe liegen die Temperaturen im Erdinneren noch immer bei 35 bis 40 Grad Celsius.

Geothermie kann dafür genutzt werden, Wärme und Strom zu erzeugen. Wird Erdwärme für das Heizen oder Kühlen von Gebäuden genutzt, spricht man von der oberflächennahen Geothermie. Im Gegensatz zur tiefen Geothermie, die indirekt zur Stromerzeugung genutzt wird.

Zwei Drittel der Fläche in Baden-Württemberg ist grundsätzlich für den Einsatz oberflächennaher Geothermie geeignet. Wo im Land welche  geothermischen Bedingungen gegeben sind, dazu bauen die Mitarbeiter des Landesamts für Geologie, Rohstoff und Bergbau derzeit ein Informationssystem auf, das ab Anfang 2008 im Internet abrufbar sein wird.

Aktuell sind zirka 8000 Erdwärmesonden in Baden-Württemberg im Einsatz.

Quelle: Schwäbisches Tagblatt, 21.11.2007